ALL-related: Natalija Ribovic und Toru Fujita, internationales Künstlerpaar
01.05.2009,
Dr. Ulrike Ritter Inszenierung und Existenz – das beide Begriffe in einem wunderbaren Spannungsverhältnis zueinander stehen, weiß man nicht nur aus der Mathematik.Von dort her stammt eher die Idee, dass, was nicht existiert, wegen XXLargeness oder widersetzlicher (entsetzlich widersprüchlicher) Eigenschaften oder als breites Sammelsurium des nur Klassifizierbaren - dem, was schnöde existiert, häufig sein Schema verpasst: ein wohlbegriffenes Element einer ebenfalls elementierenden – so und so seienden - Menge. Natürlich wissen wir trotzdem nicht, was es ist, außer in genau diesem formalen Sinne.
Aus dieser wunderbaren Grobmaschigkeit der Vernunft und ihrer Netz- und Strickwerke lassen sich, ob im Falle der visuellen Welten oder der Alltagssprache, ihrer Formalisierungen oder szientistischen Schemata, immer wieder fantastische neue Systeme erfinden, die neue Formen der Verständigung quer durch Kulturen und ihre „Habiti“ (nach Bourdieu) stiften.
Ein solches Projekt verfolgt die Künstlerin Natalija Ribovic, die in Tokyo und Augsburg lebt, in Serben geboren wurde und in Wien studiert hat, in Berlin von der Galerie Zweigstelle vertreten wird (Leiter ist der Vorsitzende des bayerischen Aichacher Kunstvereins e.V. Andreas Stucken) und in
London
,
Reyjavic
, Tokyo, Augsburg und zig anderen Städten und Stellen im Internet und aller Welt ausstellt, performt und filmt.

Ausstellung 2008 im Augsburger H2 – Zentrum für Gegenwartskunst
© Künstler oder Dr. Ulrike Ritter
In ihre Projekte ist ihr Lebensgefährte Toru Fujita als Dokumentarist oder Performer und mit eigenen Werken intensiv
eingebunden
. Die Basis von Natalija Ribovics Werk und Projekten ist allerdings so klassisch und (eben) basal, dass sie quasi auch unteilbar ist (um eben auf die Anfänge zurückzukommen): Ribovic zeichnet. In ihren Ausstellungen fluten nicht nur Videos über die Wände der Galerien oder Museen, bunte Schatten auf Osterbäumen oder überdimensionale Gummihasen-Installationen werfend. Sondern insbesondere bunt-mäandernde gemusterte Figurenspiele aus Farbstift und Blei auf Papier füllen die White Halls. Das identitätsstiftende Leitmotiv dieser Zeichnungen ist „Okto-Hasi“, ein schwarzer, aufblasbarer Gummihase, den Natalija Ribovic in zig Varianten inszeniert, filmt und zeichnet. In Material und Form erinnert er stark an die (ja auch ganz normalen) Gummihasen von Jeff Koons. Aber in den Werken der jugendlich-gemüternden Serbin verschwindet jede Assoziation zum Playboy-Logo – obwohl die schwarzen Ohren des Okto-Hasi das signifikante Schema der Figur in ihren Zeichnungen sind ! Seltsam also, dass diese schwarzen Ohren komplett asexualisieren, schon durch die andere „Stellung“ - von vorne oder von hinten statt seitlich :) - [Ist das nicht besonders seltsam – gibt es das Tricks? Mal aus der Perspektive der Sexbesessenen gefragt... - man sieht, dass unsere 'Zeichnung mit Worten' das Ribovic-Prinzip eher umkehrt, gleichwohl lassen wir das Räsonieren nicht....]

Berliner Kunstkontakter
So behalf man sich denn mit Mantra-Assoziationen, die für Comic-Kenner allerdings kaum nachvollziehbar sind. Denn Ribovic kleidet ihren Okto-Hasen, häufig ein schüchternes Päarchen von Hasen, verschmust, in folkloristisch pattern-gepaintete, osteuropäisch mit kleinen beliebig gemusterten Flaggen und Wimpelchen geschmückte Ornamente und Gewänder. Ein früher Ausflug der Künstlerin ins Modedesign wird offensichtlich – konkret pflegt sie geminsam mit Toru Fujita das Designunternehmen Oak Design, das T-Shirts, Logos, Plakate etc. für diverse Projekte verantwortet, häufig „im grünen Bereich“ (Pikadon Projekt Berlin 2007,
Planet green
– Powwow – aeaa Earth Kids project; "Infinity Universal Energy", Eco-Products2008 in Tokyo, Green Power exhibition; The North Face - project space [Lacku Hill], Fukuoka, Japan 2006), auch bei der Delaunay'schen Inszenierung ihrer Eröffnungen mit bunt gemusterter – nahezu marokanisch-arabischer – Patisserie und eben solchen Hütchen, Kleidern, Verkleidungen, Accessoires. Neben einer stilistischen Affinität zu vielen Künstlern aus der aktuellen russischen Kunstszene (so ungefähr die im
art4ru
, in England und bei Frieze Akzeptierten, könnte man sagen) und deren Umgang mit irgendwie symbolträchtigen Icons, Schemata, Mustern und Hintergründen fällt die liebevolle und detailfreudige Ausgestaltung der Zeichnungen ins Auge, durch die Räumlichkeit fast immer zugunsten einer natürlichen Blickbewegung verschwindet – wie ein Kameraschwenk bei Langzeitbelichtung oder eben eine Rekonstruktion der natürlichen Augenbewegung im Sehen.