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Magdalena Jetelová (2)

26.07.2008, Dr. Ulrike Ritter

Ritter: Ich verbinde mit Monumentalismus Aspekte, die sich nicht unbedingt für Ihre Werke von der Hand weisen lassen: Gewicht, aufwändige Materialien, raumfüllende, raumgreifende Ausdehnung, die sich nicht auf eine in den Raum eingepasste Installation beschränken lässt - man kann vielleicht eher von Sprengung sprechen.

Monumentalinstallation "Abflug" von Magdalena Jetelová im H2
© Dr. Ulrike Ritter
Jetelová: Ja, das Wort ist gut. Mich interessieren Methoden und Visualitäten, die sich widersprechen. Ob das Ironie oder Spannung ist, Widersprüchlichkeit, das ist genau das, was jetzt auch im H2 zu sehen ist. Ein interessanter Aspekt in der Ausstellung ist, dass selbst wenn alle Spiegelwände in Schwingung versetzt sind, die applizierten Texte starr und gut lesbar bleiben. Physikalisch ist das Phänomen erklärbar, aber für mich war es primär eine visuelle Entdeckung.


"Descent", 1979/1980,
(c) Magdalena Jetelová
Ritter: Aber ihre Werke haben einen Bezug zur Wissenschaft. Die Arbeit Iceland 2002 zum transatlantischen Rücken ist fast analytisch. Da hatten sie physikalisch-geologische Verhältnisse vor sich, die sie inspiziert und künstlerisch kommentiert und umgesetzt haben.

Jetelová: Genau so wie die Bunkerbrocken an der Atlantikküste, die langsam im Wasser verschwinden. Das Verschwinden und Vergehen durch natürliche Einflüsse und die zeitliche Ebene.

Ritter: Einerseits machen sie viele Projekte, bei denen man denkt: Meine Güte, wie kann man das schaffen, das ist ja toll inszeniert, so etwas zu entdecken, sich etwas dazu zu überlegen und dann direkt in die Landschaft zu projizieren - das ist das Aufwändige, das sehr beeindruckt, wenn man ihre Kunst rezipiert. Andererseits machen Sie ja eigentlich aufmerksam auf etwas mehr Verunsicherndes: Am Beispiel von dem Projekt zum transatlantischen Rücken: Die Kontinente sind das geologische Fundament. Jede Vorstellung von der Welt bzw. der Erde orientiert sich daran: Es gibt diese Kontinente, Australien, Asien, Europa, usw. und das ist alles schön fest und hat klare Grenzen. Und Sie weisen auf genau das hin, was noch in Bewegung ist.

Jetelová: Wichtig ist das spannende Moment, zwei komplett unterschiedliche Phänomene zusammen zu bringen. Das ist auch bei dem Projekt der Pyramide so gewesen. Eine Begegnung von zwei unterschiedlichen Epochen und Architekturen. Die Begegnung zeigt die Fremdheit, das ist auch ein wenig wie meine Biografie.

Ritter: Sind sie auch so eingebrochen in die bayerisch-nordrhein-westfälische Welt, in die New Yorker Galerien...?

Jetelová: Man könnte langsam schon sagen, mein Atelier ist überall. Anfangs in München habe ich wie verrückt ein Atelier gesucht, das war nicht so einfach. Dann bin ich weitergegangen nach England und in die USA, auch in andere Länder, und das hat ganz gut funktioniert. Das war auch schon in Prag so.

Ich habe auch damals schon im Freien gearbeitet.


Ritter: Konzeptionell erinnert mich das alles etwas an die literarische Romantik. Sie sind sehr konzeptuell orientiert, zwar mehr an Medientheorien, aber auch allgemein. Haben Sie sich mit Autoren dieser Literatur beschäftigt, z.b. mit Hölderlin?

Jetelová: Nein, gar nicht, ich habe nur auch am Neckar gewohnt.

Ritter: Dann zu den Medientheorien. Bei Arnold Gehlen oder Marshall McLuhan, den ganz frühen Medientheoretikern, sind die medialen Entwicklungen des Raumes, sowie Medien überhaupt, die dazu beitragen können, Räume zu erschließen und zu erfassen, eigentlich Ausdehnungen, d.h. Extensionen des Körpers.

Jetelová: Ich sehe das auch so, trotzdem lasse ich mich nicht in eine Schublade als Medien-Künstlerin oder Holzbildhauerin stecken.

Ritter: Sie zitieren Flusser im Kontext Ihres Basler Projektes "De Wette Park, Basel 2000". Dort haben sie Skulpturen in der Form von Buchstaben im Park aufgestellt. Im Zitat heißt es, "Es müsste im engeren Sinne um das Lesen gehen, aber das würde unserer gegenwärtigen Kultur nicht genug Rechnung tragen". ("our alphabets are codes through which speech is made visible: the invidual letters are drawings that translate sounds in the spoken langue into visual elements. accordingly, we should really concentrate here on the concept of >reading< in the narrower sense. yet if we did, we would fail to take account of the contemporary culture situation.") Wie ist das zu verstehen?

Jetelová: Schrift und Wort haben für mich an sich keine Materialität.

Unterschiedliche Perspektiven korespondieren mit der Imagination der Realität. So entsteht eine Situation, die neue Ebenen der Wahrnehmung öffnet.

Man kann sich nicht in der Schrift orientieren, man verliert sich, spürt aber die Körperlichkeit des Geschriebenen.

Man kann nichts von dem Geschriebenen verstehen, also nimmt man dieses als falsche Information auf, auch wenn es aus einer anderen Perspektive durchaus zu lesen ist. Meine Absicht war, die Physikalität des Wortes spüren zu lassen.

Die Nachricht zu verschlüsseln, ist auch bei dem Atlantikprojekt "On the battleground" ein Thema.


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