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Ein Interview mit Magdalena Jetelová

22.07.2008, Dr. Ulrike Ritter

Die in Semily geborene Künstlerin Magdalena Jetelová lebt seit 1985 vorwiegend in Deutschland und hat zahlreiche, internationale Kunstprojekte entwickelt und durchgeführt.

Zur Zeit hat sie eine Professur an der Akademie der Bildenden Künste in München inne. Ulrike Ritter hat sie anlässlich ihrer Ausstellung "Abflug" im Augsburger H2 - Zentrum für Gegenwartskunst zu ihrem Werk interviewt.
Wichtige Hinweise zu Jetelovás Gesamtwerk finden sich auf der Webseite der Künstlerin www.jetelova.com.

Ritter: 1985 sind Sie nach Deutschland gekommen. Sie waren sofort in unzähligen Kunstzeitschriften und wurden mit Preisen überhäuft. Das Thema waren damals monumentale Holzskulpturen, die von vielen der Autoren, die sich mit Ihrem Werk beschäftigt haben, als sowjetkritische, politische Metaphern aufgefasst wurden. Zur politischen Interpretation habe ich zwei Fragen: Erstens, ob Sie meinen, dass Sie auch aus politischen Gründen hofiert wurden, und zweitens, ob Sie Ihre Werke überhaupt so sehen. Musste man diese Stühle so politisch verstehen?

Jetelová: Also, politische Inhalte waren eigentlich an meinen Projekten mit rotem Signalrauch in Prag am deutlichsten ablesbar. Ich habe Häuser vom Stadtrand bis zu meinem Atelier unter roten Signalrauch gesetzt und dessen Wirkung genutzt. Eine komplette Weltkarte habe ich mit rotem Stift eingefärbt. Jeder Künstler spiegelt die Umgebung, in der er lebt.

Zu der Stuhl-Skulptur: Allein die Größe der Arbeit war schon eine Art von Ironisierung der damaligen Monumentalität von staatlicher Repräsentation.


Ritter: Also der monumentale Gestus Ihrer Arbeiten war es in erster Linie, der politisch aufgefasst wurde.

Jetelová: Ja. Und es ist auch wichtig zu sagen, dass wir nicht konform mit dem damaligen Regime gearbeitet haben. Das bedeutete, dass wir keine Möglichkeit hatten, unsere Arbeiten zu zeigen. Wir konnten und wir wollten in den offiziellen Institutionen auch nicht ausstellen, sondern hatten unsere eigene Szene gebildet. Wir haben in privaten Räumen ausgestellt, im Freien und in den Städten, überall dort, wo wir vorübergehend Platz fanden, solange bis wir vertrieben wurden. Die Prager Höfe konnte man zum Beispiel nicht schließen, dort müssen täglich viele Leute durch. Dort haben wir innen und auf der Straße ausgestellt. Das war eine ähnliche Methode, wie man sie heute bei der Berliner Biennale findet. Es ist zur Normalität geworden, dass man Ausstellungen als Event auffasst oder mit Events begleitet. Ausstellungen wie die in den Prager Höfen hatten für uns etwas davon, nahe an so einem Ereignis und bereiteten uns eine große Freude. Auch das Provokative daran hat uns Spaß gemacht.

Mich hat es sehr geprägt, auf diese Weise zu arbeiten. Das waren keine Programme für galeriekonforme Werke in ein Meter mal ein Meter Formaten. Die Komplexität der Werke lässt eine solche Beschränkung auch nicht zu.


Ritter: Eines der Werke, eine monumentale Stuhlskulptur von 1979/1980 hat den Namen "Descending chair". Ist das eine Anspielung auf Marcel Duchamps "Akt, eine Treppe hinabsteigend" (1912, Philadelphia Museum of Art)?

Jetelová: Kunst ist immer auch ein Diskurs mit der Kunst. Der Begriff "Abstieg" hat solche Konnotationen. Jindrich Chalupecky hat 1969 als Erster in der Prager Spalova Galerie Werke von Marcel Duchamp gezeigt. Diese Ausstellung war für uns in der damaligen Zeit etwas ganz Besonderes. In Verbindung mit dieser Ausstellung gab es eine Künstlergruppe, die sich stark an Duchamp orientiert hat. Die Namen sind hier kaum bekannt, es ist ein Problem, wir haben nicht...

Ritter: ...die gleiche Kunstgeschichte?

Jetelová: Das spürt man heute auch bei den Künstlern aus China, Mexico, Kuba. Auch dort wird eine ganz andere Kunstgeschichte geschrieben.

Ritter: Man kann vielleicht sagen, dass einfach Erfahrung mit in die Werke eingeht?

Jetelová: Es ist nicht nur Erfahrung, sondern die Art der Umsetzung.

Ritter: Die monumentalen Züge Ihrer Werke sind also, zumindest bei Ihren früheren Werken, bis zur Pyramide vielleicht, romantisch gebrochen, eher ironisch?

Jetelová: Ironie ist bestimmt ein wichtiger Aspekt. Aber es geht nicht nur um Ironie. Es geht auch um andere Aspekte und Nuancen. Deshalb ist es auch riskant, meine Werke als monumental zu bezeichnen.

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